Jahrestagung 2026 - Innovation, Wettbewerb und Werteorientierung

24.03.2026

11. Interdisziplinäre Jahrestagung der Plattform Privatheit

Innovation, Wettbewerb und Werteorientierung: Datenschutz- und Digitalregulierung zwischen Innovationshemmnis und Standortvorteil

8. und 9. Oktober 2026, Villa Elisabeth, Berlin

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Tagungsprogramm


Donnerstag, 8. Oktober 2026 (Tag 1)

Moderation: Jan Eggers, Digitaljournalist (WDR)


09:00

Registrierung und Begrüßungskaffee


10:00

Tagungseröffnung

Michael Friedewald 

Barbara Ferrarese und 

Christian Geminn

Grußwort des BMFTR


11:00

Keynote

Datenschutz & KI-Compliance bei einem globalen und forschenden Pharmaunternehmen – ein Erfolgsfaktor, kein Innovationshindernis!

Thomas Roth 

(Head of Global Data Protection & AI; Boehringer Ingelheim )


12:00

Poster-Vorstellung


12:30

Mittagspause und Posterbesichtigung


13:45

Parallele Sessions

Session 1: 

Regulierung & KI-Governance.

Session 2: 

Privacy by Design in der Praxis. 


1.1 Robert Kreyßing (Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung): Regulierung trifft Realität: Innovative KI-Gesetzgebung für den KI-Einsatz in der Verwaltung trifft auf Unbekanntheit und Rechtsanwendungsunsicherheit

2.1 Franziska Baum, Andreas Bischof, Tanja Lehmann, Albrecht Kurze, Andy Börner (TU Chemnitz), Alexa Becker und Arne Berger (HS Anhalt): Die vergessene Sicherheitslücke. Herausforderungen smarter Systeme im Zuhause für Privatheit und Sicherheit


1.2  Elisabeth Herzog und Christoph Wagner (Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Rheinland-Pfalz): Wie „Die Datenschutz-Sandbox“ Innovation und Datenschutz zugleich fördern kann – ein Zwischenbericht

2.2 Sebastian Wilhelm, Florian Wahl (TH Deggendorf) und Johann Guggumos (Uni Augsburg): Regulierung als Architekturvorgabe: Was DSGVO, KI-Verordnung und Data Act technisch von KMU-KI-Systemen verlangen


1.3  Nicholas Martin (Fraunhofer ISI) und Hanna Hottenrott (ZEW Mannheim): (Not) Profiting from the GDPR? Privacy Regulation-driven Technology Innovation in Europe and the US

2.3 Céline Gressel (Uni Tübingen) und Murat Karaboga (Fraunhofer ISI): AbracaData - wie sich Eye Tracking im Kontext von Gaming technisch implementieren, sozial verstehen und ethisch wie rechtlich datenschutzsensibel gestalten lässt


15:15

Kaffeepause


15:45

Keynote

Der Preis der Innovation — Wie die Deregulierung des EU-Technologierechts Menschenrechte bedroht

Sandra Wachter 

(Professorin für Technologie und Regulierung, Oxford Internet Institute, University of Oxford)


16:45

Zusammenfassung 


Ab 17:00

Get-Together und Posterbesichtigung (bis 20:00)


Freitag, 09. Oktober 2026 (Tag 2)

Moderation: Jan Eggers, Digitaljournalist (WDR)


08:30

Registrierung und Begrüßungskaffee


09:00

Einführung zum zweiten Konferenztag


09:15

Keynote

Cláudio Teixeira

(Head of Digital Policy of BEUC, the European Consumer Organisation)


10:15

Kaffeepause


10:45

Parallele Sessions

Session 3: 

Digitale Ökosysteme, Werte & UX

Session 4: 

Nutzerperspektive & Transparenz


3.1 Sarah Götz, Florian Weber (Uni Kassel), Tobias Kircher (TU München), Martin Hänel, Aidai Elbekova (Uni Kassel), Amir Amangeldiyev (TU München) und Matthias Söllner (Uni Kassel): Zwischen Privatheit und Nützlichkeit: Nutzerpräferenzen für souveräne Suchmaschinen und ihre Implikationen für digitale Plattformalternativen in Europa

4.1 Henriette Grashoff, Eryk Maciej Wiecki, Philipp Pecher, Moritz Griesel, Markus Meyer, Amine Er-Rabbaa, Lutz M. Kolbe und Andreas Wiebe (Uni Göttingen): Informiertheit durch kognitive Entlastung: Kurzinformationsblätter als Ergänzung datenschutzrechtlicher Transparenzpflichten


3.2 Daniel J. Veit, Ulrich M. Gassner, Christina Wagner, Julia Theresa Fuchs, Verena Kessler Verzar, Laura Macpherson (Uni Augsburg), Jessica Heesen, Simon David Hirsbrunner, Jana Hecktor (Uni Tübingen)und Simon Pröbstl Privadsy): Von Compliance zu Wertschöpfung: Privacy by Design als Gestaltungsprinzip datengetriebener Geschäftsmodelle

4.2 Benjamin Doubali (Uni Mainz): Werteintegration in digitalen Industriezukünften: Bedingungen und Strategien der Re-Kombination in der industriellen Plattformisierung


3.3 Felix Schmedes (OFFIS e.V.): KIWI – KI-basiertes Wissensmanagement als Beispiel für Privacy by Design in der Praxis: Wie datenschutzkonforme Architekturentscheidungen Innovation ermöglichen statt hemmen

4.3 Maurice Stenzel und Lena Marie Henkes (A.v.Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft): Ich sehe was, was du nicht siehst… und nun? Ein Risikomodell für Grundrechtsrisiken datengetriebener Personalisierung


12:15

Mittagspause und Posterbesichtigung


13:15

Abschlussdiskussion


14:45-15:00

Tagungsabschluß


Das Programmheft zum Download finden Sie hier.

Aufruf zur Einreichung von Beitragsvorschlägen /
Call for Contributions

Die europäische Datenschutz- und Digitalregulierung steht unter Druck. Während der Ausbau des Rechtsrahmens – von der DSGVO über den Digital Services Act bis zur KI-Verordnung – lange als Schlüssel zur Stärkung europäischer Werte, digitaler Souveränität und eines eigenständigen Innovationsmodells galt, verdichten sich Stimmen aus Politik und Wirtschaft, die vor „Überregulierung“ warnen: Übertriebener Datenschutz und zu enge KI-Regulierung, so lautet die Kritik, bremse datengetriebene Geschäftsmodelle, verzögere Forschung und schwäche die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas. Zugleich drohen geopolitische Verschiebungen und wirtschaftlicher Druck, mühsam aufgebaute Schutzstandards zu unterlaufen.

Demgegenüber steht die Sichtweise, dass ein hohes Datenschutzniveau und eine menschenzentrierte KI-Regulierung ein strategischer Vorteil sein kann: Sie schaffen Vertrauen, erhöht die Qualität digitaler Produkte und Dienstleistungen, eröffnet neue Märkte – etwa im Privacy‑Tech‑Bereich –, stärkt digitale Souveränität und hat durch den „Brüssel‑Effekt“ weltweite Wirkung. Empirische Studien zeichnen ein differenziertes Bild: Unternehmen berichten über steigende Compliance‑Aufwände, Rechtsunsicherheiten und Verschiebungen von radikalen zu eher inkrementellen Innovationen. Gleichzeitig nutzen insbesondere innovative und stark digitalisierte Unternehmen die DSGVO und weitere EU‑Regelwerke, um sich positiv im Wettbewerb zu differenzieren und interne Governance‑Strukturen zu verbessern. Besonders kleine und mittlere Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen kämpfen jedoch mit unklaren Rechtslagen und hohem administrativem Aufwand.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich digitale Innovation und europäische Werte so miteinander verbinden lassen, dass Europa im globalen Wettbewerb bestehen kann, ohne Grundrechte und demokratische Strukturen infrage zu stellen. Sind Datenschutz und andere europäische Werte ein Innovationshemmnis – oder vielmehr Voraussetzung für Vertrauen, digitale Resilienz, Datenhoheit und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit? Welche Innovationen wollen wir – und zu welchen Bedingungen?

Im Spannungsfeld zwischen „Innovation first“ und „Values by Design“ zeigen sich zentrale Konfliktlinien: Forderungen nach maximalem Datenzugang für KI, personalisierte Medizin, Smart Cities oder Sicherheitsforschung stehen Grundsätzen wie Zweckbindung, Datenminimierung und informationeller Selbstbestimmung gegenüber. Kleine und mittlere Unternehmen sowie Start‑ups sehen sich überproportionalen Compliance‑Lasten ausgesetzt, während große Plattformen Skalenvorteile nutzen. Forschungsfreiheit kollidiert mit den Rechten Betroffener, mit Betriebs‑ und Geschäftsgeheimnissen sowie mit Anforderungen der demokratischen Ordnung. Gleichzeitig bleiben praktische Fragen offen: Wie können KI‑Systeme trainiert werden, ohne massenhaft auf geschützte Daten zuzugreifen? Wie lässt sich die flächendeckende Verhaltensanalyse durch Plattformen begrenzen? Wie können Forschungsdaten über Grenzen hinweg geteilt werden, ohne Schutzstandards zu unterlaufen?

Im Rahmen der Jahrestagung der Plattform Privatheit 2026 soll erörtert werden, wie werteorientierte Innovation gestaltet werden kann, die sowohl Grundrechte wahrt als auch Europas technologische und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit stärkt. Die Tagung will diese Debatte aus interdisziplinärer Perspektive führen und dabei folgende zentrale Fragen adressieren:

Zum Spannungsverhältnis zwischen Innovation und Regulierung: 

  • Welche Werte sind gesellschaftlich wünschenswert, welche unverzichtbar und welche Elemente eines möglichen Ausgleichs mit den Bedingungen für gelungene Innovationen?
  • Wie wirkt sich Datenschutzregulierung tatsächlich auf Innovationsprozesse aus? Welche Wirkungen lassen sich für Forschung, Innovationstätigkeit und Wettbewerbsfähigkeit beobachten?
  • Wie können Schutzstandards mittelfristig zu besseren, wettbewerbsfähigeren Innovationen führen?

Zu rechtlichen und regulatorischen Aspekten:

  • Wie ist die Suche nach der richtigen Auslegung oder Balancierung von Regelungen zu organisieren? Welchen Spielraum benötigen Gerichte und Aufsichtsbehörden?
  • Wie können Ermächtigungen für Forschung und Innovation praktikabel gestaltet werden? Sind die bestehenden Privilegierungen ausreichend?
  • In welchen Bereichen braucht es neue regulatorische Ansätze, in welchen kann Regulierung reduziert bzw. handhabbarer werden?

Zu technischen und organisatorischen Lösungsansätzen:

  • Wie kann Digitalität in der Regulierung im Sinne einer „Compliance-as-Code“ zu einer automatisierbaren Umsetzung und Kontrolle beitragen?
  • Kann Technikgestaltung einen Ausgleich zwischen Innovation und Schutz europäischer Werte bieten?
  • Können Privacy-Enhancing Technologies (PETs) den Konflikt zwischen Datenschutz und Datennutzung auflösen? Wo liegen ihre Grenzen?
  • Wie kann „Privacy by Design und by Default“ von einer Compliance-Pflicht zu einem strategischen Innovationsansatz werden?
  • Welche Rolle können Datentreuhänder, Datenräume und Datengenossenschaften spielen?
  • Wie lassen sich technische Sicherheit, IT-Sicherheitsforschung und Grundrechtsschutz in Einklang bringen?

Zu wirtschaftlichen und wettbewerblichen Dimensionen:

  • Wie wirkt Digitalregulierung (z. B. DSGVO, KI-VO, DSA) auf die Wettbewerbsbedingungen von KMU, Start-ups und Großkonzernen?
  • Entstehen durch Datenschutzregulierung neue Märkte (Privacy-Tech, Compliance-Tools)? Wer profitiert davon?
  • Wirkt europäischer Datenschutz als globaler Standard oder führt er zur Abwanderung von Innovationen? Weshalb und inwiefern?
  • Welchen wirtschaftlichen Wert hat Vertrauen durch Orientierung an europäischen Werten für Akzeptanz und Diffusion digitaler Innovationen sowie digitaler Geschäftsmodelle?

Zu gesellschaftlichen und wertebasierten Perspektiven:

  • Wie kann eine Balance zwischen Forschungsfreiheit, Innovationsinteressen und anderen Grundrechten praktisch aussehen?
  • Unter welchen Bedingungen können werteorientierte Innovationen „Made in Europe“ zum Wettbewerbsvorteil werden?
  • Wie kann digitale Souveränität durch werteorientierte Innovation gestärkt werden?

Zur politischen Gestaltung und Governance:

  • Wie sollte die Balance zwischen Durchsetzung bestehender Regeln und neuer Regulierung aussehen?
  • Welche institutionellen Voraussetzungen sind für innovationsfreundliche Regulierung nötig?
  • Wie können Evaluationsmechanismen aussehen, die Innovationswirkungen systematisch erfassen und evidenzbasierte Nachsteuerung ermöglichen?

Zum Rahmenthema, aber auch zu allen angrenzenden Themen (Datenschutz, Privatheit, Überwachung, Netzpolitik, KI-Regulierung, Cybersicherheit) bitten wir um die Einreichung von Vorschlägen für Beiträge (Vorträge und Poster) von akademischen und industriellen Forschern, politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern, Datenschutzbehörden, Nichtregierungsorganisationen, der Zivilgesellschaft sowie aus allen relevanten Disziplinen (u. a. Informatik, Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Soziologie, Psychologie, Philosophie, Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft).

Keynote-Vorträge

  • Sandra Wachter, Oxford University, Oxford Internet Institute: Der Preis der Innovation — Wie die Deregulierung des EU-Technologierechts Menschenrechte bedroht
  • Thomas Roth, Boehringer Ingelheim, Head of Global Data Protection & AI:  "Datenschutz & KI-Compliance bei einem globalen und forschenden Pharmaunternehmen – ein Erfolgsfaktor, kein Innovationshindernis!"
  • Cláudio Teixeira, Head of Digital Policy of BEUC, the European Consumer Organisation

Wichtige Termine

Frist für die Einreichung von Abstracts ................................................... 15. Juni 2026 (AoE)

Anmeldung zur Konferenz ............................................................................. ab 9. Mai 2026

Benachrichtigung über die Annahme ....................................................... 15. Juli 2026

Veröffentlichung des Konferenzprogramms ......................................... Ende Juli 2026

Konferenz ............................................................................................................... 8.–9. Oktober 2026

Einreichung von Beiträgen für den Tagungsband ............................... 31. Dezember 2026

Erscheinungsdatum des Tagungsbandes ............................................... ca. Juni 2027

Verantwortliche

Programmkomitee

Michael Friedewald, Alexander Roßnagel, Barbara Ferrarese, Murat Karaboga, Christian Geminn

Wissenschaftskommunikation

Barbara Ferrarese

Organisation

Sabine Muhr

Kontakt

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